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Schlachtfest oder wie man noch gut bei miesen Ebaykäufen weggkommt…

Mittwoch, 22. April 2009

Das Thema ist natürlich noch Vintage Hifi. Wo bekommt man nun diese ersehnten alten, schweren Kästen her, die mit voller Power UNKAST aus sich rausbrüllen sollen. Händler gibt es einige, aber nehmen diese zum Teil enorm hohe und zudem unverständliche Preise. Ok, ein Marantz 2600 hat Ende der 70ern knapp 3000DM gekostet. Das müssten zwei Nettomonatgehälter eines Normalverdieners gewesen sein, aber heutzutage 10.000€ für das gleiche Gerät zu verlangen ist wenig gerechtfertigt. Im Prinzip ist es nur alter Elektroschrott aus dem Stoner Rock kommt ;)

Die Vintage Hifi Fachhändler fallen also schon mal aus, wäre naheliegend auf den Trödelmarkt zu gehen. In Berlin gibt es einige davon und man findet auch erstaunlich viel Vintage Hifi. Aber richtige Schnäppchen kann man dort meist nie machen. Zu Hauf findet man schwarze Plastikhifi aus den 80ern oder 90ern zu Preisen, die doppelt so hoch sind wie im Internet. Die Händler kennen sich aus und versuchen einen zu bescheißen. Aber das war ja auch schon immer so.

Letztendlich kann man das Schnäppchen nur im Internet machen. Je nach Tageszeit und Wochentag mal mehr mal weniger. Im Moment (April 09) sind die Preise für alte Hifibausteine von bekannten Marken wie Marantz, Sansui oder auch Rotel jenseits dessen, was man noch vor einem Jahr gewohnt war. Preiszuwächse von 150% sind keine Seltenheit. Dabei ist die Schwämme der verfügbaren Geräte (bis auf Rotel) höher denn je. Wahrscheinlich ist es grad “in” einen schönen alten Stereoverstärker zu betreiben. Das Problem beim blinden Internetkauf ist aber wie immer, dass man den Zustand der Geräte nicht 100%ig einschätzen kann. Gute Anhaltspunkte sind immer hochauflösende Bilder, eine umfangreiche Beschreibung mit Liebe zum Detail und eine höhere Anzahl an positiven Bewertung, an denen man ableiten kann, wie hoch die Korrelation zwischen Angebotstext und Wahrheit ist.

Typisch für faule Angebote ist ein unterbelichtetes, verwackeltes Handyphoto mit folgender oder ähnlicher Beschreibung:

“Hifibolider aus vergangenen Tagen. Riesen Gerät und sauschwer. Kenner wissen wovon ich rede, dass muss hier nicht erwähnt werden. Alle Lampen leuchte, linker Kanal knistert etwas, bestimmt einfach zu beheben. Phonoeingang konnte nicht getestet werden, da kein Plattenspieler vorhanden ist. Mindestens 250Watt”

Bedeutet im Prinzip: Mittelmäßger Plastikamp mit 250W Leistungsaufnahme und kaputtem Phonoeingang, sowie mindestens verdreckten Potis oder defektem Endstufentransistor.
Anders sieht es aus, wenn man eine schlechte Beschreibung mit einem schlechten Bild findet und der Verkäufer zudem noch wenige Bewertungen hat, dann kann es wirklich DAS Schnäppchen sein. Das Risiko ist zwar hoch, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Verkäufer kann wirklich unbedarft sein und in bestem Gewissen etwas verkaufen, was er ewig nicht benutzt hat. Dann macht Ebay Spaß und man kann ein gutes Gerät für wenig Geld bekommen.

So ist es mir ergangen, als ich für die Küche einen kleinen Marantz 2216B ersteigert habe. Gerade 40€ günstig und sogar recht ordentlich beschrieben. “Die optischen Zustände sind tadellos…” Ich frag mich, wie der optische Zustand plural werden kann, aber das ist hier nicht Gegenstand der Betrachtung. Was hier erklärt werden soll ist, dass das vermeindliche Schnäppchen ein Abzockegerät war. Balanceregler abgebrochen, nur der linke Kanal in Funktion und nicht nachvollziehbar, ob es an der Balanceeinstellung oder einem Defekt liegt. Der Verkäufter natürlich auch nicht mehr zu erreichen. Ok, 40€ sind nicht die Welt, aber 40€ kann ich anders besser anlegen.

Schlachteplatte

Schlachteplatte

Lange Rede kurzer Sinn: Ich hab kurzerhand das Ding widerwillig zerlegt und Teile, die noch zu gebrauchen waren einzeln bei Ebay eingestellt. Es tut schon weh ein sonst grundsolides Gerät dem zweiten Nutzungsweg zuzuführen. Positiv hervorzuheben ist, dass nach ca. 50% (nur Schmückende Teile der Front) der geschlachteten Teile der Kaufpreis wieder ausgeglichen ist und die verbleibenden 5 Einzelteile bei Verkauf den Gegenwert eines funktionierenden 2216B darstellen würden. Übrig ist dann eigentlich das Grundgerüst, die Vorstufe, die Endstufe und der Trafo. Das geht dann zusammen in die Bucht für Bastler. Oder wer hat Interesse? Einfach mailen :)

Subminiaturlampen und Skalenseile

Donnerstag, 27. November 2008

Nun ist endlich alles beisammen, was UNKAST richtig in Schall wandelt. Receiver aus den 70ern, Boxen ebenfalls aus den 70er und Bleischwer, da fällt plötzlich ein winziges Detail auf, das am Rande garkeinen Einfluss auf den Druck von Stonerrock hat, aber dennoch so präsent im Vordergrund steht, dass ein Aufschieben einer Aktion unmöglich erscheint - das Stereolämpchen ist defekt!

Genau genommen handelt es sich um eine Subminiaturlampe mit Lötbeinchen (T1 6V 40mA, ca. 4mm), wiegt weniger als der Staub, der aus meiner Paula rieselt und ist auch nur ein Ersatz für die orignial nicht mehr zu bekommenden Lämpchen.

Also schnell mal den Amp aufgeschraub. Holzgehäuse runter, Deckel eliminiert und siehe da… das Skalenseil und der Skalenzeiger sind im Weg. Vorsichtig ausgehängt und mit einem Tesaband am Trafo fixiert, damit auch nichts verrutscht… zwei Minuten später ist die Lampe an Ort und Stelle. Leuchtet schöner den je und jetzt weiß man auch wieder, dass Stereo gehört wird, wenn Stereo anliegt… die Anzeige gibt bescheid. Doch was tut sich da? Nach dem Zusammenbau hängt der Zeiger bei 108MHz und läßt sich beim besten Willen nicht mehr zurückdrehen. 108MHz… in Berlin ein langweiliges Radioprogramm… kein Stonerrock! Also wird wieder alles aufgeschraubt. Vier Schrauben unterm Holzgehäuse, vier kleine Schrauben auf dem Blechdeckel, vier etwas größere Schrauben - je zwei links und rechts - an der Seite, zwei Schrauben an der Skalenreiterschiene… fertig, doch warum hakt der Zeiger? Kleine Ursache, große Wirkung: am Gyro-Touch-Wheel hat sich eine schlauf von der Welle abgewickelt, wodurch die benötigte Spannung nicht mehr erreicht werden kann und beim Verstellen einfach durchrutscht. Mit einer Gabel, einer langen Pinzette und viel Gefluche gelingt es aber auch mir die Schlaufe wieder zurückzulegen und siehe da, der Zeiger schiebt und zieht, wie man es gewohnt war.

Skalenseil

Skalenseil

Hatte ich erwähnt, dass eine Subminiaturlampe in meinen Fingern zersprang und ich überall Blutflecken hinterlassen habe? Dazu demnächst mehr…

Vintage HiFi für echte Kerle

Samstag, 01. November 2008

Hey Musikliebhaber,

wen stört es auch ungemein, dass heutige Musikanlagen aussehn wie Knight Rider aus den ‘90ern und dabei klingen wie nen Hybridauto ohne Benzin im Tank.

Echter Rock braucht schwere Schallwandler. Muss man sich meist mit frauentauglichen Minilautsprechern zufriedengeben, so schafft man es gradmal zu einer 5.1 Anlage, die zwar Sex in the City quicken läßt, aber UNKAST nur wenig gerecht werden kann.

Weg von leichten Digitalverstärkern, weg von Satelitenboxen, hin zu Holzumschlossenen Analogendstufen und Druckvollen Stereoboxen.

Hier möchte ich nur ein paar sinnvolle Beispiele nennen, die den UNKAST Hörgenuss verfeinern:

SABA Ultra Hifi Professional 1300 von 1977:

Stereolautsprecher mit Höhenlokalisator, sowie Höhen- und Mittenpegelregler. Druckvolle 12″ Bässe und einer Wandstärke, dass jede einzelne Box 22,5kg auf die Waage bringt. Schwere Lautsprecher für schwere Musik!

KENWOOD KL-888S von 1978:

Ebenfalls Kind der 70er ist dieser 6-Wege Lautsprecher mit einer 15 3/4 Membran für grollenden Stonerrock. Kein Kindergeburtstag. Sowas wird heute nicht mehr hergestellt

MARANTZ 2600 von 1977:

Stereoreceiver mit sage und schreibe 420Watt Sinus an 4 Ohm nach DIN. Dafür bringt der “kleine” auch 32kg auf die Waage. Das ist soviel wie ein 12 jähriges Kind. Mehr Druck bringt keiner, also genau richtig für Stonerrock.

MARANTZ 2226B von 1978:

Ebenfalls ein Stereoreceiver mit optionalem Holzgehäuse. Ebenfalls mit einem hervorragenden Klang ausgestattet und beileibe kein schwachbrüstiges Spielzeug. 53Watt an 4 Ohm nach DIN haben sich noch nie so fett angehört. Für die meisten Behausungen völlig ausreichend und ruhestöhrungsgefährlich.

Für diejenigen, die sich schon immer fragte, wie die Modellbezeichnungen bei Marantz kodiert waren. Nehmen wir zum Beispiel den 2226B: die erste 2 bedeutet, dass es sich um zwei Geräte in einem hanelt, also um einen Verstärker mit einem Tuner integriert (das was ein Receiver auch ist). Die zweite 2 besagt, dass es sich um einen zweikanaligen Verstärker handelt (Stereo) und die letzten beiden Stellen geben die Leistung an. Also in diesem Beispiel 26Watt an 8 Ohm gemessen nach FTC (zwischen 20Hz und 20kHz). Da bei Transistorverstärkern die Leistung steigt, wenn man niederohmigere Lautsprecher anschließt, sind dies äquivalent 33 Watt an 4 Ohm nach FTC. Überträgt man diese Werte in die bei uns gebräuchliche DIN Angabe (Messung bei 1kHz) so hat der Verstärker 44 Watt an 8 Ohm nach DIN und 53 Watt an 4 Ohm nach DIN.

Marantz 2226B

Marantz 2226B

Und nun schlagt zu, wenn Ihr es noch nicht habt und dröhnt Euch voll mit UNKAST.


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xxx